• Leben mit Geschichte

Leben mit Geschichte

18.06.2018 Text: Sarah Peter Vogt, intu consulting & coaching

Mein Haus, mein Zuhause - Ein geschichtsträchtiges Haus, in dem Landsmänner und Ratsherren während Generationen Geschichte schrieben, steht mitten in Mels. Verena und Philipp Meier erzählen voller Stolz vom langen Weg, den sie gegangen sind. Angefangen bei der Finanzierung über die schrittweise Renovation bis hin zur Pflege des heute von fünf Parteien genutzten Mehrfamilienhauses.

Der massive, historische Bau ist unübersehbar, wenn man durch Mels fährt. Ein stolzes Haus aus dem Jahre 1766, welches Verena und Philipp Meier (beide über 70 Jahre alt) im Jahre 1990 erwarben und im folgenden Jahr mit Unterstützung der kantonalen Denkmalpflege zu neuem Glanz verhalfen. Wie kommt ein Sekundarlehrer auf die Idee, ein solches Gebäude zu erwerben? Philipp Meier hegte schon immer eine besondere Liebe zum «Oberli-Haus», wie es von Melsern genannt wird. «Ich bin sehr an Geschichte, Architektur und Malerei interessiert und musste als unmittelbarer Nachbar während zwanzig Jahren zuschauen, wie das Haus buchstäblich «verlottert»», erzählt Philipp Meier. Dass er einmal selber stolzer Besitzer dieser Liegenschaft sei, hätte er sich nie erträumen lassen. Unter mehreren Kaufinteressenten war er damals der einzige ortsansässige Bewerber. Die damaligen Besitzer wollten das Objekt einem Einheimischen veräussern und so bekam Phlipp Meier den Zuschlag.

Mädchen für alles
Für ihn ist das «Oberli-Haus» ein Lebensprojekt. Er sei damals ein grosses finanzielles Risiko eingegangen. «Es war eine andere Zeit. Die Unterstützung, die ich damals von meiner Bank erfahren habe, wäre heute nicht mehr denkbar», meint er. Die vielen tausend Stunden, die er und seine Familie in die Restauration und Pflege gesteckt haben, kann und will er nicht zählen. Selber hat das Ehepaar nie im historischen Haus gewohnt. Sie hätten in unmittelbarer Nähe auf dem Grundstück der Eltern ein Einfamilienhaus gebaut. Seit zehn Jahren lebt – nebst vier weiteren Parteien – ihr Sohn mit seiner Familie im Haus, ebenso seine Cousine. Zum Gebäude gehört ebenfalls ein 800m2 grosser Gemüsegarten, den Philipp Meier zusammen mit seiner Frau und seinem Sohn bewirtschaftet. Er sei «Mädchen für alles». Seit er pensioniert sei, wäre es natürlich noch intensiver geworden. Er sei Hauswart, mache alle einfachen Reparaturen, schaufle Schnee und sehe jeden Tag zum Rechten. Eine Aufgabe, die für ihn Sinn stiftet und ihn und seine Frau sichtlich mit Freude erfüllt. «Und wer weiss, vielleicht werden wir im höheren Alter sogar mal ins «Oberli-Haus» einziehen, um noch näher bei der Familie zu sein», meint seine Frau Verena. Eine Vorstellung, der beide nicht abgeneigt zu sein scheinen.

Brauerei Meibär
Der Blick ins Haus legt Erstaunliches offen. Ein ungewöhnliches Treppenhaus, fünf sehr unterschiedliche Wohnungen, ein historischer Kachelofen, eine kleine Dachterrasse und einen schönen Gewölbekeller. Im Keller befindet sich dann auch die Brauerei des Melser Biers Meibär. Der Name ist eine Kombination aus Meier und Bärtsch, den Nachnamen der zwei Brauer, die beide 100% als Lehrer arbeiten. Einer der Brauer ist Philipp Meiers Sohn Philipp. Die zwei Hobbybrauer starteten nach einem Brauerkurs erste Versuche und tüfftelten lange an ihrem eigenen Rezept. Kürzlich haben sie sich einen neuen Braukessel angeschafft. Die Qualität des Bieres lässt sich sehen, denn Meibär holte 2017 Gold am Swiss Beer Award in der Kategorie „Kellerbier/ Zwickelbier“. Das naturtrübe Bier wird v.a. an Freunde geliefert und seit einiger Zeit auch im Melser Gourmetrestaurant Schlüssel ausgeschenkt.