• Zusammen und doch für sich

Zusammen und doch für sich

28.10.2018

Mein Haus, mein Zuhause - Mitten in St.Gallen und doch weit weg von Stadtlärm und Hektik liegt die Wohnsiedlung Kammelenberg. Wie ein Teppich erstreckt sich die Siedlung sanft am Fusse des Freudenbergs entlang. Seit zehn Jahren wohnt Peter Lüchinger mit seiner Familie dort mittendrin. Ein Glückfall, wie er meint.

Durchdachte Architektur Auf einem Grundstück von 28 ha erstellten die Architekten Danzeisen + Voser ab 1971 eine Einfamilienhaussiedlung mit besonderem Konzept. Die Siedlung umfasst 42 zweigeschossige Häuser. Jedem Hausbesitzer wird – trotz dichter Überbauung – ein Optimum an individueller Freiheit und eine ungestörte Aussicht gewährt. Für dieses Konzept wurden damals mit der Stadt besondere Bauvorschriften vereinbart, die auch den qualitätsvollen Bestand in die Zukunft sicherstellten. Der Autoverkehr innerhalb der Siedlung ist ausgeschlossen, sämtliche Garagen befinden sich entlang der unteren, die Siedlung begrenzenden Strasse. Somit ist die Siedlung nur zu Fuss erreichbar und es entstand ein – für Aussenstehende anmutendes – Labyrinth an Verbindungswegen voller Treppen, die der Überbauung einen starken, raumhaltigen Charakter verleihen.

Perfekter Rückzugsort
Genau diese Wohneigenschaften haben vor zehn Jahren den Architekten Peter Lüchinger (56) bewogen, mit seiner Frau Corina (56) und den zwei Kindern – damals im Teenager-Alter – ein Haus in der Kammelenberg-Siedlung zu kaufen. Damals bewohnte die Familie eine gemietete Maisonette-Wohnung im Osten von St Gallen. Peter Lüchinger hätte sich durchaus vorstellen können, sein eigenes Haus zu bauen, doch ein Grundstück in der Stadt zu erwerben, war damals schon schwierig. Als Stadt-St.Galler kam für ihn ein Wegzug aus der Stadt nicht in Frage. So blieb die Alternative ein «gutes, älteres » Haus zu kaufen, mit der Absicht selber umzubauen. Vom Haus und der Siedlung war die Familie unisono begeistert gewesen. Die Freude war gross, als sie damals den Zuschlag unter vielen Interessenten erhalten hatten. Innert drei Monaten konnte der Umbau nach eigenen Plänen realisiert werden. Die Begeisterung für das Haus, die Siedlung und ihre Architektur hält bis heute an, der Respekt vor der Arbeit der damaligen Architekten ist gross. Die Architektur sei genial und zeitlos, noch heute, 45 Jahre nach dem Bau, stimme der Grundgedanke, das System sei subtil «austariert», meint Peter Lüchinger. Den Weg ins eigene Architekturbüro an der Davidstrasse bewältigt er meist per Velo.

Das Leben in der Siedlung ist durch ein Geben und Nehmen geprägt, man hilft sich in der Nachbarschaft. Das Miteinander ist durch eine Genossenschaftsstruktur geregelt. Man besitzt sein eigenes Haus, ist dafür selber verantwortlich. Doch man ist auch in die Genossenschaft eingebunden. Diese bewirtschaftet Parkplätze für Anwohner, ist verantwortlich für Spielplätze, Kanalisation, Beleuchtung, etc. Es sei nicht immer einfach, alle Bedürfnisse unter einen Hut zu bringen, doch man raufe sich meist zusammen, meint Peter Lüchinger. Seit er in der Siedlung wohnt, wirkt er im Vorstand der Genossenschaft mit.

Auf die Frage, was Corina Lüchinger am besten an ihrem Heim gefällt, kommt ihr Vieles in den Sinn. Es sei die unglaubliche Ruhe, die wunderbare Aussicht und der tolle Garten, schwärmt sie. Man sei völlig im Grünen und doch in der Stadt, das Naherholungsgebiet unmittelbar vor der Haustüre. Seit sie hier wohnen, würden sie auch nicht mehr soviel wegwollen. Es sei einfach schön zuhause, meint sie schmunzelnd.